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Lebenslauf

1957 wurde ich in Köln geboren. Nach meiner Ausbildung
zum Bankkaufmann (Ausbildungsbetrieb: Deutsche
Bank) und kurzer Tätigkeit als Angestellter schloss ich mich von 1978 der "Sozialistischen Selbsthilfe Köln -SSK- und gründete mit anderen die eigenständige Gruppe "Sozialistische Selbsthilfe (Köln-) Mülheim" –SSM-. Diese Gemeinschaft nahm Menschen auf, die obdachlos waren oder aus Heimen, Gefängnissen oder der Psychiatrie kamen. Die Räume, in denen die Gruppe Unterkunft fand, waren leerstehende städtische Häuser,

die die Gemeinschaft besetzte. Seit einigen Jahren lebt die Gruppe mit einem rechtskräftigen Mietvertrag auf dem Gelände.
Besonders engagiert war der SSM in der damaligen Mülheimer Stadtsanierung, die als ein groß- angelegter Bevölkerungsaustausch geplant war. Ärmere Menschen sollten in neue Wohn-Ghettos wie Köln-Chorweiler abgeschoben werden und reichere Bevölkerungsschichten in das bis dahin weniger attraktive Viertel zurückgeholt werden. Der SSM setzte sich damals vehement für die Belange der betroffenen Bewohner ein und trug dazu bei, dass viele Häuser in Mülheim nicht einer gigantischen Straßenverbreiterung bzw. für neue teure Wohnungen weichen mussten. Ihren Lebensunterhalt bestritt die Gruppe aus einem Secondhand-Möbelhandel sowie von Entrümpelungen, Umzügen und Kleintransporten. In den letzten Jahren meiner Mitgliedschaft fanden auch noch Versuche statt, biologische Landwirtschaft in der Nähe von Erftstadt zu betreiben. Während meiner SSM-Zeit wurde meine erste Tochter Babett geboren

1986 verließ ich die SSM und arbeitete 2 Jahre in der Industrie, zuletzt in leitender Position. Danach wurde ich Geschäftspartner in einem Einzelhandelsgeschäft für biologische Möbel und Bettwaren (Biomöbel Genske). In diese Zeit fiel meine Heirat, Geburt meiner zweiten Tochter und auch, nach 
4 jähriger Ehe, meine Scheidung. 1996 gründete mit meiner Schwester Barbara Windus den "StadtRaum Köln" als offenes spirituelles Zentrum mitten in der Stadt. Dafür mieteten wir Räume mit einer Gesamtfläche von ca. 700 m² an. Menschen haben hier die Möglichkeit, in ihrem großstädtischen Umfeld gemeinsam zu praktizieren und verschiedene spirituelle Angebote wahrzunehmen.

Spiritueller Weg
Bereits als Schüler interessierte ich mich für philosophische und religiöse Themen. Im Alter von 15 faszinierten mich die buddhistischen Lehren, die ich natürlich nur unvollständig aus Schulbüchern und Lexika kennen lernte. Als Autodidakt meditierte und übte ich buddhistischen Gleichmut. Später beschäftigte ich mich mit der Philosophie des Daoismus und lernte Tai Chi Chuan, das ich viele Jahre lang praktizierte. Aufgrund meines Interesse für christliche Mystik besuchte ich in dieser Zeit auch christliche Seminare, Exerzitien und christliche Gebets- oder Meditationskreise, ohne aber einen tieferen Zugang in die christliche Kontemplation finden zu können.

1988 konzentrierte ich mich auf den Buddhismus und die Zen-Meditation, später dann auch auf die Vipassana-Meditation. Häufige wochenlange Aufenthalte in Meditationszentren und Gemeinschaften waren mit diesem Weg verbunden. Ich praktizierte japanisches Soto-Zen über die AZI Taisen Deshimaru, koreanisches Rinzai-Zen über die Kwan Um Schule und seit einigen Jahren praktiziere ich nach den Lehren des vietnamesischen Zen-Meisters Thich Nhat Hanh, dessen Laienorden "Intersein" ich 1996 beitrat. Ich bin zudem seit einigen Jahren Mitglied in der internationalen "Peacemaker-Gemeinschaft", die der Amerikaner Bernie Glassman Roshi ins Leben rief.

Seit ca. 1995 leitet ich Kurse und Gruppen zum Thema Buddhismus, Meditation und Achtsamkeit achtsames mitfühlendes Kommunizieren. In den letzten Jahren hat sich um meine Person ein fester 

Kern von Praktizierenden gebildet, der sich regelmäßig trifft und gemeinsam Meditation und Alltagsachtsamkeit  praktiziert. Seit September 2001 hat sich aus diesem Kreis eine feste Gruppe von Übenden gebildet, die ihre spirituelle Praxis vertiefen möchten. Über den Bewegrund zur Bildung dieser Gruppe schrieb ich einen Beitrag in dem Buch: "Der Tag an dem die Türme fielen"(Hrsg. Christine Stecher, Knaur Verlag ISBN 3-426-66655-3), das im September 2002 erschien. Mein Beitrag können sie auf dieser Homepage unter "Redaktionelles" nachlesen. Mittlerweile biete ich weitere Vertiefungsgruppen an und leite seit einigen Jahren Schweige- und Meditationsretreats.
Spiritualität und Beruf
Viele Methoden des "Inner Management", der modernen Personalführung sowie der Vertriebs- und Verkaufsstrategie erscheinen mir verwandt mit der buddhistischen Praxis. Geht es doch immer um die konstruktive Umgangsweise mit destruktiven Befindlichkeiten, Achtsamkeit für Kunden und Mitarbeiter und um die persönliche Präsenz im Augenblick. Auch das sogenannte "Konfliktmanagement" der Wirtschaftspsychologie enthält Aspekte, die mit den buddhistischen Lehren der Gewaltlosigkeit korrespondieren. Von daher habe ich meine spirituelle Praxis nie getrennt erlebt von meinem Alltag, sondern im Gegenteil erlebt, wie sehr sie mir hilft und unterstützt.
Spiritualität, Politik und achtsame Kommunikation
In Thich Nhat Hanh fand ich einen buddhistischen Lehrer, der eine Verbindung zwischen Meditationspraxis, Alltag und öffentlichem Leben schafft. Die Praxis von Thich Nhat Hanh kennt keine Auszeit, jeder Moment bietet Gelegenheit, achtsam zu sein. Er zeigte durch sein persönliches Beispiel im kriegsgeschüttelten Vietnam, dass spirituelle Praxis nicht weltabgewandt und unpolitisch sein muss. Im Gegenteil, sie wird, wenn sie im Alltag verankert ist, fast automatisch auch politisch. Allerdings auf eine ganz andere Art, wie wir üblicherweise politisch aktiv sein verstehen. Die gewaltfreie, achtsame Kommunikation beispielsweise, die auch das achtsame Denken erfasst, ist für mich ein Weg geworden, auf eine andere Art zu kommunizieren, als wie in den üblichen Kritik- und Streitgespräche sowie bei den sogenannten "politischen Diskussionen". Im privaten und öffentlichen Umgang eine neue Form der Kommunikation vorzustellen und so Verstehen und Verstandenwerden möglich zu machen, ist mir ein großes Anliegen geworden, das ich in meinen Kommunikationskursen und Gruppen umsetze.
Ich bin angekommen - ich bin zu Hause
Dieses "Mantra" von Thich Nhat Hanh wurde in den letzten Jahren zum Kern meiner Praxis. Nichts mehr erreichen zuwollen, aufzuhören ständig mit dem Gefühl der Unzulänglichkeit herumzulaufen, ist für mich die Botschaft dieses Mantras. Ich bin angekommen, unabhängig davon, wie viele Projekte, Lebensziele oder Lebenswünsche noch auf mich warten, unabhängig davon wie viel Menschen und Umstände Aufgaben oder Pflichten mir auftragen. Ich bin in jedem Augenblick angekommen, bei jedem Atemzug. Das ist die Befreiung von allen Zwängen und allen Gefühlen der Unvollkommenheit. Anzukommen und zu Hause sein zu dürfen in jedem Augenblick schenkt mir Ruhe, heitere Gelassenheit und beständigen inneren Frieden.

Werner Heidenreich


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