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Glücklich
leben – der Weg der Achtsamkeit
Mit Achtsamkeit können wir die Natur der
Wirklichkeit klar erkennen. Achtsamkeit, unterstützt durch
Konzentration, bewusstes Atmen und tiefe Betrachtung, wird zu einer Kraft,
die direkt ins Herz der Dinge vordringen kann. Es handelt sich nicht um
Spekulation, nicht um den Gebrauch von Worten und Begriffen, sondern um direktes
Hinsehen. Schließlich enthüllt sich uns die wahre Natur der
Wirklichkeit als Soheit. Die Wirklichkeit - so - wie - sie - Ist kann
nicht beschrieben werden. Sie kann aber durchdrungen werden von prajna,
von wahrem Verstehen. Man könnte die Achtsamkeit den
Mutterschoß des Buddha in uns allen nennen." Allein die Praxis der Achtsamkeit reicht gemäß der buddhistischen Lehre aus, um zu tiefem Verstehen, Weisheit und Befreiung zu gelangen. Worum handelt es sich bei der Achtsamkeit? Achtsamkeit ist zuerst einmal Wissensklarheit: Ich bin mir dessen, was ich gerade mache voll und ganz bewusst. Das Gegenteil davon ist Vergessen. Wir vergessen, durch Gedanken, Gefühle und Phantasien abgelenkt, was wir gerade tun. Ständig sind wir geistig mit der Vergangenheit oder Zukunft beschäftigt, malen uns aus was wir alles sagen oder tun könnten, was uns noch alles zu stoßen könnte oder sinnieren über bereits Vergangenes nach. Wir haben nur selten wirklich Kontakt mit dem gegenwärtigen Augenblick. Das heißt nicht, dass wir nicht auch über unsere Zukunft nachdenken oder uns an unsere Vergangenheit erinnern könnten, aber dann sind wir uns dessen wirklich bewusst, gleiten nicht von Gedanken zu Gedanken um nach einer Weile festzustellen, dass wir unser ursprüngliches Thema verloren bzw. vergessen haben. Wie können wir erreichen, dass wir achtsam bleiben? Der Buddha nannte uns sogenannte Anker, um die Achtsamkeit zu festigen. Der erste und sicherlich wichtigste Anker ist die Atembetrachtung. Konkret heißt das, das wir uns bei allen Handlungen auch unserer Atmung bewusst sind. Wir tauschen diesen Anker nur, wenn uns eine Handlung geistig so beansprucht, dass wir uns voll und ganz auf sie konzentrieren müssen. In diesem Fall machen wir halt die Handlung selbst zu unserem Beobachtungsobjekt, bleiben auch hier geistig bei nur einer Sache und schweifen nicht ab. Im Alltag ist es jedoch eher selten, dass wir die Atembetrachtung aufgeben müssten. Die ständige Beobachtung bzw. die andauernde Verankerung mit dem Atem mag sich im ersten Moment anstrengend und undurchführbar anhören, tatsächlich aber sind wir durch die geistige Verankerung mit der Atmung >wissensklar< über das, was wir in jedem Moment gerade machen. Wir werden geistig gesammelt und ersparen uns so unnötige Gedankenaktivitäten und aufwendige Überreaktionen. Wir können dies vergleichen mit einem in der Luft fliegenden Drachen. Dank des Seils, an dem er gebunden ist, fliegt er nicht mit dem Wind fort. Unser Geist ist dank der Verankerung mit dem Atem gesammelt, konzentriert und klar und der Alltag wird leichter und einfacher für uns. Die Konzentration steigert sich ganz von selbst und unseren Handlungen werden effektiver. Frei vom Ballast zu vieler Gedanken und Gefühle sind wir frischer und ausgeglichener. Die Achtsamkeitspraxis ist also keine zusätzliche Anstrengung im eh schon ermüdenden Alltag, sondern eine Erleichterung des Lebens. Manchmal wird Achtsamkeit wie ein Lebensstil verstanden. Wir unterscheiden dann in richtige oder falsche Handlungsweisen, ethisch oder nicht ethisch oder in zu schnelles bzw. ausreichend langsames Handeln und machen so aus der Achtsamkeitspraxis eine Anschauung oder einen Lebensstil. Achtsamkeit in ihrer ursprünglichen Form aber kennt keine Urteile, unterscheidet nicht, legt nichts fest, sondern ist schlicht die bewusste Wahrnehmung, die Wissensklarheit darüber, was gerade in oder um uns herum geschieht. Natürlich erkennen wir dank diesem, wohin uns unser Handeln und Denken bringt, welche Folgen daraus erwachsen. Diese Einsicht führt zur Weisheit. Achtsamkeit mit Weisheit gekoppelt versetzt uns in die Lage, unsere automatisch auftretenden Reaktionen zu reflektieren und zu entscheiden, ob diese uns wirklich entsprechen und besonders, wenn wir emotional ergriffen sind, ob nicht wesentlich weisere und hilfreichere Antworten möglich sind. Durch diese Betrachtung aus dem Zustand der inneren Weisheit und Ruhe erschließen sich uns weitere Möglichkeiten, die der gefangene Geist nicht bemerkt hätte und bekommen so einen sehr viel größeren geistigen Raum. Wir werden fähig, Buddhas Empfehlung zu folgen, Unheilsames zu meiden und Heilsames zu fördern. Damit kommen wir zum wesentlichen Teil der Achtsamkeit, der Befreiung von unseren geistigen Zwängen, Mustern und Konzepten. Zu Lebzeiten Buddhas nannte man seine Jünger nicht Buddhisten, sondern Sieger. Sie waren Sieger über ihren Geist geworden, was soviel bedeute, wie nicht ständig fortgerissen zu werden von Gefühlen und Gedanken. Schauen wir auf uns, so erkennen wir schnell, dass wir ständig unserem Geist folgen, mal sind es Gefühle, die uns lenken, dann wieder Gedanken und ein andermal werden wir gelenkt von unbändigen Bedürfnissen. Manchmal machen wir aus der Not eine Tugend, indem wir diese Geisteserscheinungen mit unserem Willen verbinden und uns selbst vormachen, wir wollten das jetzt so oder wir bräuchten das jetzt halt. Doch etwas tiefer geschaut, ist erkennbar, dass es nur geistige Erscheinungen sind, zusammen gebraut aus vielen Impulsen, die aus unserem Inneren oder von außen in uns wirken. Wir erkennen den Reiz – Impuls – Mechanismus, der uns führt und wir können dank der Achtsamkeit erkennen, dass wir die Freiheit der Entscheidung haben, ob wir folgen oder vielleicht eine ganz andere Reaktion entwickeln. Wir sind angelangt auf der Stufe von Freiheit, die uns die Achtsamkeit schenkt. Wir werden frei von den alltäglichen und inneren Zwängen und wir können die aus der Achtsamkeit gewonnene Weisheit wirken lassen, indem wir in jedem Augenblick neu entscheiden, wie wir handeln und reagieren wollen. Wir können sogar entscheiden, welchen Geist wir haben wollen, einen friedfertigen oder einen aggressiven, einen heilsamen oder unheilsamen Geist. Erreichen wir diese Stufe der Selbstbestimmung, sind wir in der Lage, bei allen angenehmen und unangenehmen Erscheinungen in geistiger Ruhe zu verweilen bzw. mit Gleichmut zu reagieren. Dieser friedliche Zustand, der uns befreit vom Kämpfen und Verdrängen, schenkt uns ein stabiles Gefühl von tiefem Glück. Auch bei widrigen Umständen bleibt dieses innere Glück erhalten und befähigt uns, das Leben mit allen seinen Seiten in Liebe anzunehmen. Glück und Frieden bedürfen dann keiner besonderen Voraussetzungen, sie sind einfach da, unabhängig von allen Lebensumständen! Werner Heidenreich |