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Freudvolle Praxis Folgen wir spirituellen Methoden und Wegen, entsteht schnell ein Gefühl der Unzulänglichkeit. Wir meditieren nicht regelmäßig genug und erreichen im Alltag längst nicht die angestrebte Ruhe und Gelassenheit. Während Einkehrtagen (Retreats) in Klöstern und Meditationszentren genießen wir die Unterstützung der anderen und verbringen dort meist intensive Zeiten der Sammlung und Freude. Wieder mit der Realität zu Hause konfrontiert, sind wir häufig deprimierter als vor unserer Abreise. Am liebsten würden wir alles stehen und liegen lassen und zurückkehren an den Ort, der uns Stille und Unterstützung für unsere Praxis schenkte. Der Lotus erblüht aus dem Schlamm Im Buddhismus gilt die Lotusblume als Symbol, das uns veranschaulicht, wie aus modrigen Schlamm strahlend weiße Blüten entstehen. Die Lotusblume braucht den Schlamm, um zu leben und auch alle anderen Pflanzen brauchen Kompost und Erde, um ihre Schönheit zu entwickeln. Richtig verstandene Praxis lädt uns ein, uns komplett anzunehmen, mit unseren hellen und dunklen Seiten. Wenn wir uns ganzheitlich betrachten, erkennen wir vielleicht, dass unsere unangenehmen Seiten erst die Vorraussetzung schaffen, um unsere ganze Schönheit und Stabilität entfalten zu können. Wie können wir >jetzt< glücklich werden? Der erste Schritt ist, sich und seine Situation vollkommen zu akzeptieren. Alles was wir noch erreichen wollen, alles was wir noch ändern, verbessern oder entwickeln wollen oder sollten, sind Projekte der Zukunft und noch nicht in unserem Leben manifest. Frieden schließen, mit dem was ist, auch unsere Schwächen und Schatten, ist der erste Schritt, der uns vom Gefühl der Unzulänglichkeit befreit. Zweitens können wir unseren Blick darauf richten, was wir bereits alles wundervolles in diesem Leben erhalten haben, bzw. wie wundervoll wir selbst sind, unser Körper, unsere Fähigkeiten und unser Mitgefühl, selbst wenn dieses noch nicht voll entfaltet sein mag. Drittens erkennen wir, "der Weg ist das Ziel". Wie erfolgreich wir auch immer sein mögen, nach jedem Erreichten wartet eine weitere Herausforderung auf uns. Es liegt an uns, ob wir hechelnd ständig auf das noch nicht Erreichte schauen, bzw. im fortschreitenden Alter auf das Halten und Bewahren ausgerichtet sind, ohne zu merken, das wir mit dieser Fixierung genau das verpassen, was wir so schätzen, nämlich unser Leben! So kommen wir zu dem vierten Schritt, dem Lassen. "Alles lassen, sogar das Loslassen", lautet ein weiser Zen-Spruch. Wir erkennen, dass wir im Grunde nur eine Aufgabe haben, da zu sein für das Leben. Natürlich sind wir ständig mit Aufgaben und Herausforderungen konfrontiert, auf die wir reagieren müssen. Aber wir werden frei von dem Gedanken, dass wir erst etwas erreicht haben müssten, oder dass wir irgendwas halten oder das Leben kontrollieren könnten. Das Leben fließt und wir fließen mit und erfreuen uns an dem, was es uns zu bieten hat. Glücklich leben Es geht also nicht darum, dass wir in irgendwelche Klöster auf einsame Berge ziehen oder erst zufrieden sein können, wenn wir bestimmte Stufen der Versenkung und Läuterung erreicht haben. Wir werden wach für die Schönheit und das Glück unseres Alltags und erkennen mit dem großen chinesischen Zen-Meister Rinzai, dass es nicht nur ein Wunder sei, auf dem Wasser zu gehen, sondern auf der Erde gehen zu können! Sich in jedem Augenblick an diesem Wunder zu erfreuen ist der Weg. |