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Unsere Antwort auf die Irak - Krise Ist es nur der drohende Irak-Krieg oder nicht die desolate Weltsituation überhaupt, die immer mehr Menschen auf den Plan ruft? Wie dem auch sei, es „erwacht" eine „Friedensbewegung", in der zig Tausende von Menschen auf die Strasse gehen und für eine friedliche Lösung des Irak-Konfliktes eintreten und die eine für mich schon lange nicht mehr überschaubare Flut von Petitionen an die verschiedenen Weltbehörden und Regierungen senden. Politik im Geheimen Egal, wie wir die Dinge einschätzen, klar wird zur Zeit, wie wenig Einfluss jeder einzelne Mensch auf die weltpolitischen Abläufe hat. Es zeigt sich, dass militärische Pakte und vor allem Waffenlieferungen weltweit diskret unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgehandelt werden. Solche Themen werden besprochen auf der Ebene von Regierungen und Insidern, den sogenannten „wohlinformierten Kreisen" Wer wem was wie zusagt oder eben nicht zusagt, wer wen wie unterstützt und Waffen liefert bzw. erhält, das bekommt die Öffentlichkeit, wenn überhaupt, oft erst Jahre später mit. Vieles in der Weltpolitik gilt als vertraulich und geheim. So stehen wir heute in einer Krise, die in einer Zeit wurzelt, die mindestens 20 bis 30 Jahre alt ist und in der wichtige Entscheidungen und Handlungen wie Waffenlieferungen unter strengster Geheimhaltung abgewickelt wurden. Jedenfalls kann ich mich nicht daran erinnern, dass ich damals informiert worden wäre über die Aufrüstung des Diktators Hussein vom Westen, ganz zu schweigen von einer Frage nach meiner Zustimmung. Dieser Konflikt, zumindest suggerieren mir dies die Medien und die öffentliche Diskussion, verlangt dringendes Handeln gegen das kleine Land an Euphrat und Tigris, während andere Konfliktherde als weniger bedrohlicher einzustufen seien. Beitrag zum Frieden Nun gut, die Krise ist da und ich möchte darüber schreiben, was der Beitrag des StadtRaums ist oder präziser formuliert, der Beitrag der regelmäßig praktizierenden Menschen hier im StadtRaum. Ich möchte nicht näher auf das allgemeine Engagement eingehen, welche Petitionen wir mit unterschrieben haben, an welchen Demonstrationen und Schweigewegen wir uns beteiligten bzw. beteiligen. Im StadtRaum kommen Menschen verschiedenster Art zusammen. Wir praktizieren zuerst einmal das Ankommen im Augenblick. Wir verweilen bei unserem Atem und wir öffnen unser Bewusstsein für das Geschehen und die Fülle des jeweiligen Moments. Von Moment zu Moment gehen wir weiter in unserer Betrachtung und schauen tief auf das sich ständig ändernde Geschehen im Hier und Jetzt. So kommen wir in Verbindung mit der Wirklichkeit, wie sie ist, jenseits unserer Interpretationen und Anschauungen. Wir erkennen unsere Emotionen, unsere sich ständig in Bewegung befindende Gedankenwelt und wir erkenne auch die Wurzeln und den Nährboden, aus dem sich unsere Emotionen und Gedanken entwickeln und speisen. „Wer bin ich?" wird zu unserer zentralen Frage. Bin ich dieser Zorn, bin ich diese Angst, diese Freude, dieses Glück? Bin ich dieser Körper? Woher komme ich, wohin gehe ich? Den Krieg beenden „Frieden beginnt mit deinem wundervollen Lächeln" hängt als Kalligraphie von Thich Nhat Hanh in unserem Meditationsraum. Wir können lächeln, wenn wir Frieden haben. Frieden haben, heißt den inneren Krieg zu beenden. Wer hat denn heutzutage wirklich Frieden, wer das Gefühl bereits angekommen zu sein? Sind wir nicht ständig auf der Suche nach irgend etwas, sind wir nicht immer mit irgendwas unzufrieden? Wir warten ein Leben lang auf das Leben. Den Krieg beenden, heißt, sich und alles was ist anzunehmen, Frieden schließen mit dem was ist. Beginnen müssen wir mit uns selbst. Ist es nicht ungeheuer schwer, mit sich selbst zu-frieden sein zu können? Bewundern wir nicht oft Menschen in viel ärmeren Ländern, Menschen, die wesentlich unzureichendere Lebensbedingungen haben und doch diesen inneren Frieden ausstrahlen? Die Praxis der Achtsamkeit ist Praxis des Friedens. Wir werden unseres eigenen Kampfes gewahr, werden uns unserer inneren Zwänge, unserer Angst bewusst. Wir finden die Wurzeln unseres Leidens in uns und wir finden auch die Wurzeln von Freude, Glück und Frieden in uns. Haben wir sie gefunden, können wir Frieden und Glück in uns stabilisieren. Angst hat seine Wurzel in dem Gefühl des Getrenntseins, in dem Gefühl, als isolierte Existenz in diesem feindlichen Kosmos überleben zu müssen. Wir können unseren Frieden nähren und wir können unsere Angst überwinden, wenn wir das Gefühl der Trennung überwinden. Die Praxis der Achtsamkeit bringt uns zu der Erkenntnis, dass wir nicht getrennt sind, wir sind eins mit allen anderen, in uns ist der ganze Kosmos präsent. Und wir können uns als vollkommen, als bereits fertig annehmen. Klingt für viele Menschen paradox und ist doch wahr. Fumon Nakagawa Roshi, ein in Deutschland lebender japanischer Zen-Meister hat es mit folgendem Satz auf den Punkt gebracht: „Wir sind immer vollkommen, doch weil wir es nicht erkennen müssen wir üben." Erkennen wir es, haben wir Angst und Krieg beseitigt. Frieden werden Im Kamalashila - Kloster in der Eifel leitete ich vor kurzem ein Achtsamkeitswochenende mit 30 TeilnehmerInnen aus dem StadtRaum. Wir verbrachten viel Zeit im Schweigen und Achtsamkeit. Für manche der TeilnehmerInnen war dies ungewohnt und sie waren anfangs etwas unsicher. Seltsam, dass Ruhe und Sammlung uns soviel Angst machen kann, uns so fremd und anstrengend erscheint. Doch schon nach kurzer Zeit äußerten sich die meisten tief bewegt von der aufsteigenden Ruhe und sprachen von einem großen inneren Frieden den sie erlebten. Zugleich wurde der Gruppe deutlich, wie sehr unsere Übung ein friedliches Miteinander schuf. Das Strahlen des inneren Friedens, das wundervolle Lächeln vieler TeilnehmerInnen brachten eine umfassende Harmonie und eine Atmosphäre des Vertrauens und Friedens. Gelebter Frieden von 30 Menschen als Beitrag für den Weltfrieden. Zusammenkommen In diesem Jahr startet im StadtRaum ein weiteres Projekt. Wir wollen ein Netz schaffen, in dem sich Menschen verbinden, die ein friedliches und achtsames Leben führen wollen. Seit Januar diesen Jahres haben wir eigens dafür eine Wohnung angemietet hier im Haus Moltkestr. 79, die als Wohnort für eine Gemeinschaft dienen wird. Menschen werden hier zusammen wohnen, die sich dem Weg der Achtsamkeit, des friedlichen und glücklichen Lebens widmen möchten. Diese Gemeinschaft wird Kern des Netzes sein und eine Möglichkeit bieten, sich in privater, geschützter Atmosphäre zu treffen, auszutauschen, zu praktizieren und sich gegenseitig zu stützen. Sei du die Veränderung Gandhi sagte einmal: „sei du die Veränderung, die du von der Welt erwartest." Wenn wir erkennen, dass wir nur sehr bedingt Einfluss haben auf die großen globalen politischen Entscheidungen und Konflikte, dann ist der einzige Weg, der uns bleibt, die Veränderung, die wir wünschen, bei uns selbst vorzunehmen. Das wiederum wirkt von ganz allein auf unser persönliches Umfeld und somit letztlich auf die ganze Welt. Wie können wir Frieden fordern, wenn wir selbst nicht Frieden sind? Die konkrete Praxis der Achtsamkeit, diese reale Friedenspraxis mit uns selbst ist der Beitrag der Menschen des StadtRaums zum Frieden in der Welt. Werner Heidenreich |